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Blockchain-Labor Schweiz – Status quo der Umsetzung in Geschäftsanwendungen

In den Fluren großer Banken und Versicherungen ist die vielversprechende Zukunftstechnologie in aller Munde. Die Rede ist von der Blockchain, deren Kernidee Vertrauen in verteilten Systemen ist. Ihr wird zugetraut das Internet und unser Wirtschaften grundlegend zu verändern. mm1 Schweiz hat sich die Blockchain-Projekte traditioneller Schweizer Finanzdienstleister genauer angesehen und einen Überblick über die Marktreife von Blockchain-Anwendungen verschafft.

Von Uwe Klötzner, Christian Klugow und Raphael Iten

(Das Poster als PDF zum kostenfreien Download wird hier in Kürze verfügbar sein.)

Bitcoin muss als Frontalangriff auf das Bankensystem verstanden werden.

Darauf dürfte auch zurückzuführen sein, dass in der Schweiz – wie auch global – Banken eine Blockchain-Vorreiterrolle einnehmen. Die Schweizer Versicherungsbranche profiliert sich demgegenüber mit dem global führenden Blockchain-Versicherungskonsortium mit Hauptsitz in Zürich. Auffällig: Mit Ausnahme der Baloise fokussieren sich nur die grossen, börsennotierten Finanzdienstleister (also Swiss Re, Zürich, UBS und Credit Suisse) auf Blockchain-Projekte im Kontext des eigenen Kerngeschäfts. Die übrigen Projekte beschäftigen sich mit branchenfremden Geschäftsmodellen im Immobilien-, Energie- oder Mobilitätssegment. Die Blockchain-Technologie scheint demzufolge auch eine Möglichkeit darzustellen, die Geschäftsmodelle der Schweizer Finanzinstitute zu diversifizieren. Ein weiterer grosser Player am Schweizer Blockchain ist die SIX Group. Sie wird in ihrer Rolle als Intermediär im Handel mit Wertpapieren schon länger durch die Blockchain-Entwicklungen gefordert.

Kernkompetenzen Vertrauen und Automatisierung

Die Blockchain kann ihr volles Potential in Prozessen entfalten, in denen Vertrauen zwischen zwei oder mehr Parteien automatisiert erzeugt oder erhalten werden soll. Somit zielen die bedeutendsten Use-Cases oftmals auf eine Disintermediation und Automatisierung dieses Prozesses ab. Dadurch limitieren sich die Use-Cases nicht bloss auf klassische Anwendungsfelder. Die Blockchain erlaubt es, in neuen oder angrenzenden Feldern zu denken, in denen es bisher nicht wirtschaftlich war, dieses Vertrauen sicherzustellen. Vertrauen aber – auch bspw. zu den Geschäftspartnern – ist in einer vernetzten Geschäftswelt entscheidend für den eigenen Erfolg. Darum verwundert es nicht, dass die identifizierten Projekte der Schweizer Finanzinstitute nur selten ohne die Zusammenarbeit mit externen Partnern aufgesetzt wurden. So beteiligen sich bereits heute der Grossteil der Banken und Versicherungen aktiv oder passiv an nationalen oder internationalen Konsortien zur Förderung von Blockchain-Anwendungen.

Finanzdienstleister wählen Partnerschaften

Die Konsortiumsarbeit dient anfangs primär dem Aufbau von Wissen und bietet einen informellen Rahmen zum gegenseitigen Austausch. Internationale Konsortien verweisen bereits auf die Umsetzung von komplexeren Use-Cases und nutzen den Netzwerkeffekt, um Piloten zu testen und deren Business-Tauglichkeit zu evaluieren. Für viele Unternehmen in der Branche steht aber noch immer, vor der Realisierung eigener Projekte, zunächst die Ausarbeitung einer Blockchain-Strategie im Vordergrund. Marktreife Blockchain-Anwendungen von Schweizer Finanzinstituten konnten in der Studie nicht identifiziert werden. Im Gegenteil – erste Projekte wurden bereits wieder eingestellt, wie bei der Zürcher Kantonalbank oder UBS. Das Potential von Blockchain realisiert sich erst mit zunehmenden Netzwerkeffekten und so wird sich der Konsolidierungstrend mit zunehmender Marktreife fortsetzen.

Vom Hype zu tragfähigen Geschäftsmodellen

Es zeigt sich immer noch, dass die Technologie im Hype ist. Die Ableitung konkreter Geschäftsanwendungen wird immer bedeutender. Finanzinstitutionen sollten darum insbesondere die Vorteile gegenüber zentralen Datenbanklösungen eruieren. Zu den wichtigsten Herausforderungen zählen noch immer Regulierungs- und Standardisierungsfragen. Bei Ersterem liegt es am Regulator heute die Rahmenbedingungen für die Technologie attraktiv zu gestalten, um die Unternehmen zu unterstützen. Zweiteres wird sich mit zunehmender Marktreife verbessern. Erste Konsolidierungstendenzen können bereits beobachtet werden. So verschmelzen in jüngster Zeit grössere Plattformen ineinander (z.B. Batavia und WeTrade). Wenn diese wichtigen Fragestellungen beantwortet werden, wird die Blockchain auch sicherlich ihr Potential in Geschäftsanwendungen realisieren.

Es zeigt sich, dass die meisten klassischen Schweizer Finanzinstitutionen erstes Knowhow aufgebaut haben. Sie wissen das Disruptionspotential von Blockchain einzuschätzen. Nun gilt es die individuelle Blockchain-Strategie zu bestimmen. Dabei sollten intern Projekte in hierarchisch losgelösten, funktionsübergreifenden Teams organisiert werden. Klare Ziele sollten formuliert und die Projekte dahingehend flexibel gehalten werden, indem auf verschiedenen Plattformen experimentiert werden kann. Nach aussen gilt es das eigene Rollenverständnis in Konsortien oder Partnerschaften festzulegen und den Fokus auf realistische Use-Cases mit echtem Business-Impact zu setzen. Schliesslich empfiehlt es sich mit einfachen Use-Cases eigene Erfahrung mit der Technologie zu sammeln, um nicht den Anschluss zu verpassen.

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